Die neue Immobiliensteuer in Griechenland: Alles was Sie wissen müssen

Ferienhaus Griechenland

Das Jahr 2014 hat hinsichtlich der Besteuerung der Immobilien in Griechenland dynamisch und mit großen Reformen begonnen. Seit 01. Januar des Jahres ist ein neues Immobilienbesteuerungsgesetz in Kraft getreten, welches die bisher diesbezüglich gültigen Regelungen, wie den sogenannten E.T.A.A. oder den F.A.P., gänzlich ersetzt. Die neue Regelung sieht eine zweikomponentige Besteuerung vor; zum einen wird jede Immobilie gesondert besteuert (1. Komponente: Hauptsteuer), und zusätzlich gibt es einen kleinen Steuersatz auf den Wert des gesamten Immobilieneigentums einer Person (2. Komponente: zusätzliche Steuer). Es sei erwähnt, dass im Sinne der Vergrößerung der zu besteuernden Basis zum ersten Mal auch Grundstücke besteuert werden, die außerhalb von beplanten Zonen liegen.  

 

Die Regelungen der neuen Immobiliensteuer in Griechenland 

Das neue Gesetz, welches in der Kurzform EN.F.I.A genannt wird, sieht die allumfassende Besteuerung des Immobilieneigentums in Griechenland vor; dies bedeutet, dass jüngst alle Immobilien aller Kategorien besteuert werden. Hier wird für die Berechnung der Steuer neben der Größe eine Vielzahl von weiteren Kriterien zugrundgelegt, wie z. B. die Art der Immobilie, der objektive Wert, das Alter, und weitere.

Die Hauptsteuer wird auf der Grundlage einer Basissteuer berechnet, die anhand von diversen Kriterien vervielfacht oder verringert wird. Wie gesagt, werden nun aller Arten Immobilien bei der Besteuerung berücksichtigt. Letzeres bedeutet, dass die Steuer sowohl auf Gebäude als auch auf Grundstücke in und außerhalb von beplanten Bereichen auferlegt wird. Selbst Agrarland und Weiden sind betroffen.

Die zusätzliche Steuer betrifft dann im zweiten Schritt nur noch diejenigen Eigentümer, deren Immobilieneigentum in Griechenland in der Gesamtheit einen Wert von 300.000,- Euro überschreitet. Im Verhältnis zum alten Gesetz („F.A.P.“), wo der Steuerfreibetrag bei 200.000,- Euro lag, stellt dies sogar eine Erhöhung des Freibetrags dar. Auch sind die entsprechenden Prozentsätze verhältnismäßig kleiner als beim alten Gesetz (von 0,1% bis 1%). Bei der Berechnung der zusätzlichen Steuer werden Grundstücke, die sich außerhalb der beplanten Zone befinden, nicht berücksichtigt.

Entsprechend der neuen Bedingungen sieht das Gesetz konkret nun für die Hauptsteuer folgende Regelungen vor:

–          Für Gebäude (Wohnungen, Büro- und Gewerbebauten, etc.) ergibt sich eine Basissteuer, die in Abhängigkeit zur Zone, in der sich die Immobilie befindet, zwischen 2,- und 13,- Euro pro Quadratmeter liegt. Insgesamt sind zwölf (12) Zonen vorgesehen. Hilfsräume werden mit 10% des Wertes der Hauptnutzung berechnet. Für Sonderbauten ist eine Reduzierung der Steuer um 50 % vorgesehen, während für elektrisch nicht versorgte Einheiten 40% weniger zu zahlen sind. Nur Ställe und einige weitere Hilfsbauten für Bauerhöfe sind von der Besteuerung ausgenommen.

–          Hinsichtlich der Besteuerung der Grundstücke gelten u. a. in Abhängigkeit zu ihrer Lage Steuersätze von 3,- bis 9.000,- Euro pro „Strema“ (1 Stremma = 1.000 qm). Hier sieht das Gesetz eine Gliederung in 25 Kategorien vor.

–          Für Agrarland, Weiden und sonstiges nicht beplantes Land fällt eine Steuer von 1,- Euro pro 1.000 qm an.

Bei der Berechnung der Hauptsteuer wird, wie erwähnt, eine Vielzahl von Faktoren angesetzt die die Basissteuer entweder erhöht oder reduziert. Zu den Faktoren, die die Steuer beeinflussen können, gehören unter anderem das Alter der Immobilie, die Lage des Grundstücks, die Anzahl der offenen Grundstücksseiten, die Etage auf der sich das Eigentum befindet, sofern eine mehrgeschossige Bebauung vorliegt, und die Nutzung des Grundstücks.

Beim Steuererlass sind auch Nachlässe und Erleichterungen für bestimmte Personengruppen vorgesehen. Insbesondere sind für Langzeitarbeitslose, Familien mit vielen Kindern, Behinderte und armen Familien Nachlässe von 50% und teilweise sogar 100% vorgesehen, sofern bestimmte Einkommens- und Eigentumsverhältnisse vorliegen.

 

Gewinner und Verlierer des Immobilienbesteuerungsgesetzes

Wie bei jedem Gesetz – so auch beim EN.F.I.A. – gibt es Gewinner und Verlierer. Zu den Gewinnern gehören bei diesem Gesetz hauptsächlich Eigentümer von Wohnungen. Hier verteilt sich bekanntermaßen das Eigentum am Grundstück auf mehrere Einheiten und der Grundstücksanteil bezogen auf die Einheit ist somit relativ klein. Sie müssen nun im Verhältnis zur bisher gültigen „Sonderabgabe für Immobilien“ (EETIDE), die man über die DEI (Energieversorgungskonzern Griechenlands) entrichten musste, nun eine leicht reduzierte Steuer bezahlen. Zu den großen Verlierern zählen allerdings die Eigentümer von Immobilien, die nicht an das Stromnetz angeschlossen sind, Eigentümer von gänzlich unbebauten Grundstücken und auch Eigentümer von Agrarfeldern, die alle nun zum ersten Mal eine Grundsteuer auf ihr Eigentum bezahlen müssen.

Im Allgemeinen wurde die neue Immobiliensteuer in Griechenland als eine etwas fairere und günstigere Besteuerung von Immobilien eingeführt. Es muss aber festgehalten werden, dass mit diesem neuen Gesetz eine einst krisenbedingt eingeführte und nicht dauerhaft vorgesehene Sonderregelung nun zur ordentlichen Immobiliensteuer umgewandelt wurde. Hinzu kommt, dass aufgrund der allumfassenden Gültigkeit der neuen Grundsteuer eine große Anzahl von Eigentümern im Verhältnis zur Sonderregelung noch weiter benachteiligt wird. Ein weiteres Paradoxon des Gesetzes liegt in der Tatsache, dass die Immobiliensteuer anhand den vom Finanzministerium festgesetzten, „objektiven“ Immobilienwerten berechnet. Dieser Wert liegt in den meisten weit über dem tatsächlichen Marktwert der Immobilie.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Thema „Immobilienbesteuerung“ bereits einige Debatten und Reaktionen hervorgerufen hat, die sich in spe wohl noch intensivieren werden. Die neue Steuer stellt schließlich eine weitere große finanzielle Belastung für viele private Haushalte Griechenlands dar. Beim Versuch, den griechischen Haushalt zu konsolidieren, hat sich der griechische Gesetzgeber offensichtlich für eine Maßnahme entschieden, die aus dem Traum der meisten Griechen, irgendwann einmal in den eigenen vier Wänden zu leben, einen Albtraum oder – wie man hierzulande sagen würde – zum Ephialtes macht.